05.11.2026

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Multi-Year-Optimierung: Rechnet sich dein Speicher auch 2035?
Use Case

C&I: Nachrüstung BESS Multi-Use Szenarien

Industriestandort in NRW mit 9,3 GWh Verbrauch und Bestands-PV: drei Speicher-Szenarien über zwei Netzentgelt-Regime. Der kleinere Speicher mit dynamischem Tarif schlägt 5 MWh Multi-Use.

Use Case Eckdaten

323T

Erstinvestition

1,1 J.

Amortisation

2,86M

Kapitalwert

-25%

Stromkosten Jahr 1

Drei Szenarien, ein Standort: Warum 1,15 MWh mehr bringen als 5 MWh

Ein Standort, eine Frage: Was soll die Batterie eigentlich?

Ein Industriestandort in Düren (NRW): 9,3 GWh Jahresverbrauch, 1,15 MWp Bestands-PV, 2,95 MW Netzanschluss in der Mittelspannung. Statt die Speichergröße aus dem Bauch zu schätzen, haben wir gerechnet. Drei Szenarien, zwei regulatorische Epochen, 20 Jahre Horizont.

Die drei Szenarien

S1 Klassisch: Peak Shaving und Eigenverbrauch
Flacher Tarif, die Batterie soll die Lastspitze glätten. Ergebnis: Der Optimierer baut keine einzige kWh. Der Grund steht im Preisblatt. Unter 2.500 Benutzungsstunden kostet die Spitze hier nur 15,38 € pro kW und Jahr. Das trägt keinen Speicher.

S2 Smart: Dynamischer Tarif und Arbitrage mit 1,15 MWh
Wechsel auf Day-Ahead-Einkauf. Der Speicher wird zum Preisjäger: nachts günstig laden, die PV-Mittagsspitze puffern, teure Stunden aus dem Speicher decken. Ergebnis: 290 T€ weniger Stromkosten im ersten Jahr, ein Minus von 25 %. Erstinvestition 323 T€, Kapitalwert 2,86 Mio. € über 20 Jahre, Amortisation nach rund 1,1 Jahren. Ein Batterietausch zum Ende des Horizonts ist eingerechnet.

S3 Multi-Use: Die große Kombi mit 5 MWh / 2,5 MW
Day-Ahead-Einkauf, Arbitrage und atypische Netznutzung nach §19 Abs. 2 StromNEV. Der Speicher macht drei Jobs gleichzeitig. Im Hochlastzeitfenster drückt er die abrechenbare Leistung von 4.977 kW auf 1.848 kW. Das sind 63 % weniger, gefordert sind in der Mittelspannung 20 %. Ergebnis: 423 T€ weniger Stromkosten im ersten Jahr, ein Minus von 36 %. Investition 1,4 Mio. €.

Der Twist: Die Regulierung ändert sich. Die Batterie auch.

Ab 2029 soll nach dem AgNes-Entwurf der BNetzA ein Kapazitätspreis den heutigen Leistungspreis ersetzen. Damit entfällt der Hebel aus Lastspitze und Atypik. Die Roadmap rechnet den Bedarf deshalb ab 2029 neu: Statt 5 MWh braucht der Standort nur noch 782 kWh.

Was passiert mit den restlichen 4,2 MWh? Wir rechnen konservativ und schreiben sie 2029 vollständig ab. Über beide Phasen ergibt das für S3 einen Kapitalwert von 2,0 Mio. € und eine Amortisation nach 3,9 Jahren. S3 verdient in den ersten zwei Jahren mehr als S2. Über 20 Jahre liegt S2 vorn.

Das Ergebnis auf einen Blick

  • S1 Peak Shaving: 0 kWh Batterie, keine Investition, kein Mehrwert gegenüber heute.
  • S2 Dynamisch: 1,15 MWh, 323 T€ Erstinvestition, Kapitalwert 2,86 Mio. €, Amortisation 1,1 Jahre.
  • S3 Multi-Use: 5 MWh / 2,5 MW, ab 2029 Bedarf 782 kWh, 1,4 Mio. € Erstinvestition, Kapitalwert 2,0 Mio. €, Amortisation 3,9 Jahre.

Kapitalwert jeweils über 20 Jahre bei 8 % WACC.

Der Takeaway

Die Antwort auf "Wie groß muss die Batterie sein?" ist keine Zahl. Sie hängt am Tarif, am Netzentgelt-Regime und daran, wie lange die Regeln gelten. Die 5 MWh verdienen gut, solange es die Atypik gibt. Danach braucht der Standort nur noch einen Bruchteil davon. Wer heute groß baut, braucht einen Plan für die Kapazität nach 2029. Ohne diesen Plan ist der kleinere Speicher mit dynamischem Tarif die bessere Wahl. Mit einem Viertel des Kapitals.

Annahmen

  • Standort: Industrie, Mittelspannung, 2,95 MW Netzanschluss, 1.150 kWp Bestands-PV. Netzbetreiber Leitungspartner GmbH, Netzentgelte 2026 (ene't).
  • Finanzierung: 8 % WACC, 20 Jahre Betrachtungszeitraum (2027 bis 2046).
  • Batterie: 280 €/kWh, 7.500 Vollzyklen, 2 % Kalenderalterung pro Jahr, 0,5 C, je 95 % Lade- und Entladewirkungsgrad. Lebensdauer zyklusbasiert berechnet.
  • Stromeinkauf: flach 13,0 ct/kWh plus 4,1 ct/kWh Abgaben (Basis) oder Day-Ahead (EPEX 2025), jeweils plus 2 % pro Jahr.
  • Roadmap in zwei Phasen: 2027 bis 2028 mit RLM-Leistungspreis, ab 2029 mit Kapazitätspreis (BNetzA-Entwurf GBK-25-01-1).

Hinweis: Die Optimierung rechnet mit perfekter Preis- und Lastvoraussicht, also mit dem theoretischen Optimum. Unsicherheiten der Marktpreisentwicklung sind nicht modelliert. Die AgNes-Parameter stammen aus dem aktuellen Entwurf, die endgültigen Sätze können abweichen. Die Ergebnisseite in der Plattform schreibt der 2029 nicht mehr benötigten Kapazität ihren Restwert von 1,08 Mio. € gut, etwa für Weiterverkauf oder Einsatz an einem anderen Standort. Dort steht S3 deshalb höher. Die Zahlen auf dieser Seite rechnen ohne diese Gutschrift.

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